Warum ein Flyer keine Kommunikationsstrategie ist.
- Yvonne Ineichen
- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Oder: Kann ich mit Flipflops das Matterhorn besteigen?
Diese Frage löst bei passionierten Berggängern vermutlich spontanes Augenrollen aus. Bei nicht bergaffinen Menschen könnte sie durchaus als ernst gemeinte Überlegung daherkommen.
Fakt ist: Wer keine Bergschuhe besitzt, kommt eher selten auf die Idee, einen Viertausender zu erklimmen. Wobei – ganz sicher bin ich mir da nicht mehr. Wir leben schliesslich in einer Zeit, in der «alles möglich» ist. Du musst nur fest genug daran glauben. Und dann bitte direkt loslaufen. Am besten in Flipflops.
Und dann sitze ich im nächsten Gespräch. Flipflops sind plötzlich kein Schuhwerk mehr, sondern ein Projekt.
«Ich brauche einen Flyer. Nimm doch einfach den Text von der Website.»
Website gleich Flyer?
Das ist in etwa so, wie wenn ich mit denselben Schuhen biken, klettern, wandern und schwimmen gehe. Irgendwie machbar. Man kommt vorwärts. Vielleicht sogar ans Ziel. Aber Spass macht es nicht. Und zielführend ist anders.
Kommunikation funktioniert ähnlich.
Auf einem Flyer muss eine Botschaft in Sekunden greifen. Eine Website kann vertiefen und Vertrauen aufbauen. Eine Messe lebt vom Dialog. Jedes Format hat seine eigene Dynamik – und verlangt anderes Schuhwerk.
Nicht das Medium entscheidet. Die Klarheit entscheidet. Und jedes Medium setzt andere Spielregeln.
Wenn ich frage, wo dieser Flyer eingesetzt werden soll, höre ich oft: «Am besten überall.» Überall ist kein Ort. Es klingt nach Reichweite, ersetzt aber keine Entscheidung.
Natürlich kann man Inhalte so formulieren, dass sie überall einsetzbar sind. So wie man mit Turnschuhen vieles machen kann. Aber optimal ist das selten.
Kommunizieren mit Strategie und Plan
Bevor ich über Papierstärken oder Schriftgrössen spreche, will ich wissen:
1. Ziel und Wirkung
Was soll dieser Flyer konkret auslösen? Interesse? Vertrauen? Buchung?Woran merken wir, dass er funktioniert?
2. Zielgruppe und Moment
Wer hält ihn in der Hand – und in welcher Situation?Ist diese Person bereits informiert oder begegnet sie uns zum ersten Mal?
3. Kontext
Liegt er im Wartezimmer, auf einer Messe oder im Briefkasten?Wird er aktiv überreicht oder zufällig mitgenommen?
4. Positionierung
Wofür wollen wir stehen – fachlich und menschlich? Was unterscheidet uns wirklich?
5. Inhaltliche Klarheit
Welche eine Botschaft muss hängen bleiben?Was lassen wir bewusst weg?
Ein Flyer ist kein isoliertes Produkt. Er ist ein Werkzeug innerhalb einer Strategie. Und deshalb stelle ich strategische Fragen. Keine Textfragen. Ich erkunde zuerst die Route. Dann sprechen wir über das Schuhwerk.
Man kann auch einfach losrennen. Mit Euphorie. Mit Canva. Mit ChatGPT. Und in Flipflops. Manchmal kommt man sogar an. Irgendwie.
Ich weiss: Strategie ist nicht besonders glamourös. Tourenplanung auch nicht. Sie macht jedoch meist den Unterschied zwischen Gipfelfoto und Rettungshelikopter.




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