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Kompetenz fürs Leben

Autorenbild: Yvonne Ineichen
Yvonne Ineichen
30. Sept.
2 Min. Lesezeit

Am 19. August hatte ich meinen ersten Schultag. Ich unterrichte nicht, sondern begleite mit zwei Kolleginnen 18 Kinder zwischen 5 und 14 Jahren durch ihren Halbtag im Wald.


 

Bild: Margherita Delussu Fotografie
Bild: Margherita Delussu Fotografie

Die Kinder beschäftigen sich selbst. Sie entdecken, bauen und tüfteln, handeln etwas aus, verwerfen Ideen und fangen nochmals von vorne an. Heute entsteht zwischen zwei Bäumen eine Seilbrücke.

Als die Brücke steht, taucht ein Problem auf: Die Kleinste erreicht das obere Seil nicht. Also überlegen die Kinder weiter und wollen aus zusätzlichen Seilen ein Klettergstältli bauen.

Irgendwann fragen sie mich, welchen Knoten sie verwenden sollen. Ich frage zurück: Welchen würdet ihr nehmen? Wie wollt ihr vorgehen? Sie beraten sich, probieren aus und bauen weiter. Ich bin da, beobachte, bestätige bei unsicheren Blicken und helfe, wenn es mich braucht.


Der Wald ist Kompetenz- und Lernraum  

Ich mag solche Momente. Weil die Kinder erfahren, dass sie selbst Lösungen finden können. Dass sie nicht darauf warten müssen, bis ihnen jemand sagt, was zu tun ist. Sie denken nach, treffen Entscheidungen, scheitern auch mal, versuchen es anders. Und merken dabei, was sie alles können.


Und das alles passiert draussen. Nicht auf einem angelegten Lernpfad und nicht mit einem Aufgabenblatt in der Hand. Der Wald ist kein hübscher Hintergrund für den Unterricht. Er ist Lebens-, Lern- und Erfahrungsraum. Die Kinder sind mittendrin, bei Sonne und Regen, zwischen Erde, Bäumen, Tieren und Pflanzen. Sie lernen die Natur kennen und schätzen, indem sie Zeit in ihr verbringen. Was man kennt, lernt man lieben und will man schützen.

 

Welche Menschen wachsen hier heran?

Vielleicht berührt mich diese Art von Schule deshalb: Es geht hier nicht nur darum, was Kinder heute lernen. Sondern auch darum, welche Menschen einmal aus ihnen werden.

 

Ich erhoffe mir eine Generation, die selbst denkt und gleichzeitig wahrnimmt, was um sie herum geschieht. Die unsere Erde und ihre Ressourcen nicht für so selbstverständlich hält, wie wir das in den letzten Jahrzehnten getan haben. Die Zusammenhänge erkennt, abwägt und Verantwortung übernimmt.


Zukunftskompetenz  

Und ja, dazu gehört für mich auch ein kluger Umgang mit künstlicher Intelligenz. Es wird immer mehr Möglichkeiten geben und wir sind immer mehr aufgefordert, kluger zu entscheiden, welche davon wir wann und wofür einsetzen wollen.

 

Lebensklugheit und Zukunftskompetenz beginnt hier zwischen zwei Bäumen, mit ein paar Seilen und der Frage: Wie könnten wir das lösen?

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