• Yvonne Ineichen

Machen Sie diese Fehler beim Schreiben?


Informationsbroschüren, Websitentexte, Facebookposts, Pressetexte – Sie betreiben ein Business und brauchen immer wieder neue Inhalte. Schade, dass viele Texte langatmig, statt spannend, schwer zu lesen, statt unterhaltsam sind. Das liegt vor allem an einem grossen Fehler.

Bei gelegentlichen Streifzügen durchs Web oder beim redaktionellen Überarbeiten von Texten stolpere ich immer mal wieder über Formulierungen wie «Wir sind ein Unternehmen mit Tradition und stellen uns den Herausforderungen des Marktes. Unsere Mitarbeitenden zählen zu den besten ihres Fachs.»

Zum Gähnen.

Oder denken Sie jetzt: «Was hat sie denn, sowas steht bei uns auch auf der Website?»

Stimmt. Das steht bei vielen.

Es sind Sätze, an die wir uns gewöhnt haben, wir imitieren sie, wenn wir selbst schreiben. Weil es das Erste ist, was uns einfällt. Und wir sind vielleicht sogar ein bisschen stolz darauf. Doch, ist die erstbeste immer auch die richtige Lösung? Wenn Sie von den Herausforderungen des Marktes sprechen, klingt das bedeutungsvoll …?

Ganz ehrlich, was würden Sie einem Gast auf einer Party erzählen, wenn er nach den Stärken und den USPs Ihres Unternehmens fragt. Würden Sie dann allen Ernstes antworten: «Wir stellen uns den Herausforderungen des Marktes»?

Was meinen Sie, wie die Reaktion auf eine solche Aussage ist? Ein fragender Blick und die Flucht nach vorne. Warum? Weil das Gehirn Ihres Gegenübers gar nicht richtig weiss, was es mit dieser Aussage anfangen soll. Weil sie nebulös und nicht greifbar ist.

Genau so geht es auch den Lesern von Texten. Wenn sie das Gelesene nicht binnen kürzester Zeit verstehen und verdauen, sind sie weg. Das gilt immer – und ganz besonders am Bildschirm. Denn am Bildschirm lesen die Menschen nicht, sie scannen.

Sie können sich also noch so viel Mühe geben, die Worte wohlklingend zu formulieren. Vermutlich liegt da nämlich der Fehler: Sie geben sich zu viel Mühe. Sie denken zu viel über Formulierungen nach. Oder über die eine Formulierung, die alles auf einen Punkt bringt (Herausforderungen des Marktes). Und dann schreiben Sie so, dass es eher ablöscht, als anzündet. Es klingt nach Marketing-Floskel, nach Amtsblatt oder Politiker-Phrasen.

Sind Sie das wirklich? Nein, oder?

Deshalb gibt es fürs Schreiben eine erste, recht einfache Regel: Schreiben Sie, wie Sie sind. Nie im Leben würden Sie jemandem in einem Gespräch erzählen: «Wir stellen uns den Herausforderungen des Marktes.»

Überlegen Sie, wie Sie den Sachverhalt jemandem erklären, den Sie zufällig irgendwo getroffen haben. Vielleicht würde es dann so klingen: «Wir arbeiten gerade daran, eine neue Maschine XY zu entwickeln, weil wir realisiert haben, dass das in Zukunft unser wichtigster Bereich sein wird.»

Inhaltlich erzählen die beiden Aussagen das Gleiche. Nur ist das Eine verständlicher, nicht wahr?

Und das ist das eine starke Argument bei allen Texten: Wer gelesen werden möchte, muss verständlich bleiben. Viele haben Angst davor, profan zu wirken. Im eigenen professionellen Umfeld mögen Fachbegriffe Sinn machen. Wenn man jedoch mit Menschen, Kunden – spricht, dann sollte man die weglassen.

Und das sind die Besucher Ihrer Website, die Leser von Blogs, Anzeigen oder Broschüren sind Menschen und, oder potentielle Kunden.

Beherzigen Sie diese drei Tipps. Sie helfen Ihnen, verständlicher zu schreiben.

  • Floskeln ganz kritisch unter die Lupe nehmen. Das sind Formulierungen, die einem beim Schreiben ganz schnell unterkommen, weil wir sie oft lesen. Z. B. die Seele baumeln lassen, zum Verweilen einladen …

  • Prüfen Sie Ihre Texte auf Beamtensprache: zeitnah, lösungsorientiert, fristgerecht, Bearbeitung, im Falle einer Verhinderung, in Ausführung …

  • Schauen Sie bei Substantiven zweimal hin. Gerade Wörter die auf -ung enden (Bearbeitung, Verhinderung, Ausführung) wirken oft schwerfällig. Anstatt «der Neubau ist in Ausführung» kann man schlicht und einfach schreiben: Die Arbeiten am Neubau haben bereits begonnen.

Und noch ein Extra-Tipp, der Ihre Texte wirklich zu Ihren eigenen macht und ihnen die besondere Note gibt: Streuen Sie hie und da einen Begriff aus der Alltagssprache, gar einen aus der Mundart, ein. Das macht Sie nahbar und Ihre Texte sind erfrischend. Erfrischend anders.

Haben Sie Fragen? Möchten Sie ein Feedback zu einem Ihrer Texte? Dann schreiben Sie mir.


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